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Blog
28
02
2019
Pflegenotstand bald vorbei?

Ist das mit dem Pflegenotstand jetzt bald vorbei? – Nein! Und nun?

Auch wenn sich jetzt nach Jahrzehnten endlich etwas tut in der Gesundheitspolitik, ist es noch lange nicht vorbei mit dem Pflegenotstand.

Mittelfristig können wir vielleicht in den nächsten 5-10 Jahren mit einer Besserung der Situation rechnen. Während die Politik von ca. 35000 fehlenden Stellen ausgeht, sprechen Berufsverbände und Gewerkschaften von über doppelt so vielen fehlenden Pflegekräften.

Ein erster Schritt mehr Planstellen und Personaluntergrenzen zu schaffen und Kranken und Pflegekassen zu verpflichten diese auch zu finanzieren ist gemacht. Nur ist das Problem, dass es diese 35000-80000 Pflegekräfte in Deutschland überhaupt nicht gibt.

Es gibt keine ausgebildete, arbeitslose Pflegekräfte in Deutschland! Diese müssen nun erst einmal ausgebildet werden.

Es wurde auf verschiedenen Ebenen in den letzten Jahrzehnten versäumt sicherzustellen, dass es ausreichenden Nachwuchs in der Pflege gibt. Es wurde hingenommen, dass viele Pflegekräfte aufgrund der extremen körperlichen und psychischen Belastung, des vergleichsweisen geringen Verdienstes vorzeitig ihren Beruf aufgeben.

In den nächsten Jahren müssen wir mit den Ressourcen haushalten, die uns zur Verfügung stehen. Es gibt einige Ansätze, diesen Engpass auszugleichen.
Einige Kliniken starteten Projekte, in denen ausländische Pflegekräfte für Deutschland ausgebildet werden. Die Pflege wird unterteilt, in Aufgaben die von qualifizierten Pflegekräften ausgeführt werden müssen und Aufgaben die nach einer Einführungsschulung und unter Aufsicht qualifizierter Pflegekräfte von Quereinsteigern oder ungelernten Kräften ausgeführt werden können. In den USA wird diese Art bereits seit längerem erfolgreich praktiziert. Hier kommen Pflegeassistenten, Alltagsbegleiter und Servicekräfte zum Einsatz.

Natürlich ist auch die Technik-und PC-Branche nicht untätig, es gibt bereits große Fortschritte im Bereich der Dokumentation und der Telemedizin (hierzu später mehr)
Eine weitere Möglichkeit bietet die 24 Stundenpflege oder, wie man im Volksmund gerne sagt „die polnische Krankenschwester“.

Hier kommen ausländische, meist osteuropäische Pflegekräfte, die in ihrem Land eine Pflegeausbildung abgeschlossen haben und einen Deutschkurs absolviert haben zu uns. Diese Art ist ein wenig mit Au-pair Kräften vergleichbar. Die Motivation dieser Pflegekräfte zu uns zu kommen ist ganz unterschiedlich und reicht von Erfahrungen in einem anderen Land sammeln bis mehr Geld verdienen als zu Hause.

Auch das sogenannte persönliche Budget ist eine mögliche Variante, die hauptsächlich von jüngeren Menschen mit Behinderung oder drohender Behinderung gewählt wird. Die Anfänge des persönlichen Budgets stammen aus dem Gedanken des Teilhabegesetzes. Hier bekommt der Patient ein auf ihn zugeschnittenes Budget von Kranken-und/oder Pflegekasse und wird somit zum Arbeitgeber. Er selbst entscheidet welches Personal er wann und wo und mit welcher Qualifikation einsetzten möchte, stellt diese ein und verwaltet sie und bezahlt sie aus dem persönlichen Budget. Was sich hier so einfach anhört, ist in der Praxis nicht so einfach. Auch hier ist es schwer geeignetes Personal zu finden. Außerdem muss der Patient sich um alles selbst kümmern. Dieses umfasst kurzfristigen Ersatz im Krankheitsfall, bei Schulungen oder Kündigungen ein.

Letzten Endes muss jeder für sich selbst den besten Weg finden, indem er für sich festlegt welche Leistungen aus der Pflege mit welchen Qualifikationsstandards er benötigt. Während ein Patient mit hohem Pflegeaufwand, künstlicher Ernährung, Verbänden, Heimbeatmungsbedarf eine Fachkraft mit hoher Qualifikation benötigt,
braucht der körperlich eingeschränkte oder demente Patient eine Pflegekraft mit einer weniger hohen Qualifikation.

Warten Sie nicht bis es besser wird auf dem Pflegemarkt, denn das wird noch lange dauern.

Informieren Sie sich jetzt und lassen sich über die verschiedenen Pflegemodelle beraten um die passende Lösung für sich und ihr Angehörigen zu finden.

Autor: Miriam Reiter